Das Projekt Blickwechsel II ist eine Fortführung der Begegnung von zwei Jugendgruppen. Beide Gruppen bestehen aus jeweils 13 jungen Leuten, die mit Kindern im Grundschulalter arbeiten und sich im September 2012 in Adapazari/Türkei erstmals getroffen und über ihre Arbeit und ihre Lebens- und Berufsperspektiven ausgetauscht haben. Im Sommer 2013 fand ein Gegenbesuch der türkischen Gruppe in Oldenburg, Deutschland statt. (Dauer 8 Tage Aufenthalt plus 2 Reisetage) Hauptthemen waren: Kinderbetreuungs- und Bildungssysteme in Deutschland sowie  Leben und Religion von Deutschen und Migrant/innen in Deutschland im Vergleich zur Türkei. Außerdem haben die Teilnehmer/innen einen Einblick in Teile der deutschen Geschichte sowie die regionale Natur bekommen. Es wurde mit Methoden des non-formalen Lernens gearbeitet. Während des Projektes entstand bei youthreporter.de eine Dokumentation der Aktivitäten.

Das Programm wurde wie geplant und beantragt durchgeführt.

Bei den Teilnehmer/innen der türkischen Gruppe gab es eine Veränderung, es kamen nur 10 Personen nach Deutschland, davon waren zwei Personen “neu”. Grund dafür war, dass Teilnehmer/innen aus der ursprünglichen Gruppe wegen Studienverpflichtungen die Reise nicht antreten konnten. Alle Teilnehmer/innen sind Mitglieder von TOG Sakarya.Die Gruppe setzte sich zusammen aus den Teilnehmenden des Projekts “Blickwechsel  I”.
In allen Projektphasen waren alle Teilnehmenden beteiligt, wie oben beschrieben.
Der Wechsel von bekannt-unbekannt, innen -außen war in Hinsicht auf interkulturelle Erfahrung besonders interessant – etwa, wenn die deutschen Teilnehmer/innen beim Besuch der örtlichen Moschee damit konfrontiert werden, wie die türkischstämmigen Oldenburger ihr Leben beschreiben  oder wenn ein “deutscher” Türke die türkischen Teilnehmer/innen über Lebenshaltungskosten in Deutschland informiert.
All diese Aspekte sind unserer Ansicht nach notwendig für die erfolgreiche interkulturelle Begegnung.
Zum Abschluss des Aufenthaltes wurde eine Gesamtauswertung mit allen Beteiligten durchgeführt.
Nach der Reise gab es ein Auswertungstreffen mit der deutschen Gruppe, es bestehen weiterhin Kontakte zwischen den deutschen und den türkischen Mitgliedern.
Über den Zeitpunkt eines denkbaren Folgeprojekts müssen wir wegen unserer geringen personellen Kapazitäten noch nachdenken. Inhaltlich sind wir von den Blickwechselprojekten voll überzeugt. Den Kontakt zu TOG Sarkaya und TOG Istanbul möchten wir weiterhin pflegen. m Umkreis von Wurzel GgmbH und dem Verein für Kinder e.V. mit 200 Mitarbeitenden sowie im privaten Umfeld der Teilnehmenden ist das Projekt gut aufgenommen und verfolgt worden. Unsere Berichte, Fotos etc. wurden viel beachtet. 
Wir haben immer sehr deutlich gemacht, dass das Projekt ohne die Hilfe und Beteiligung von JUGEND IN AKTION nicht möglich gewesen wäre – dies ist allen bewusst.
Wir hatten ein Treffen mit der Integrationsbeauftragten der Stadt Oldenburg – nachdem unsere Anfrage an die Bürgermeister mit der Bitte, unsere Gäste offiziell zu empfangen abgeschlagen kurzfristig abgeschlagen wurde. Nachdem wir darüber zunächst etwas enttäuscht waren, stellte sich dieses Treffen als besonders gelungen und gehaltvoll heraus, sodass wir im Nachhinein damit sehr zufrieden sind. Auch bei diesem Treffen haben wir auf die Förderung durch das Programm Jugend in Aktion hingewiesen.

Beteiligung junger Menschen:

Die Teilnehmenden waren an der Gestaltung der Begegnung, den Vorbereitungen, der Auswertung und der Dokumentation beteiligt. Sie konnten eigene Ideen, Wünsche und Kompetenzen einbringen und die Umsetzung direkt verfolgen. Dies bedeutet und begründet eine Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit und stärkt das Erleben von aktiver Bürgerschaft.

Kulturelle Vielfalt:

Alle Beteiligten erlebten mindestens eine andere Kultur im jeweiligen Gastland.
Kampf gegen soziale Ausgrenzung: Die Gespräche mit den türkischstämmigen Deutschen waren für alle aufschlussreich und gaben vor allem neue Erkenntnisse zu den Aspekten Migration, Religion und das Leben von Menschen mit Migration Hintergrund in Deutschland. Vermehrte Information, Transparenz und der Aufbau persönlicher Beziehungen trägt bei zur Verminderung von Ausgrenzung.

Kreativität:

Die Teilnehmenden wurden durch die einzelnen Elemente, insbesondere durch ihre Beteiligung angeregt, ihre Kreativität zur Gestaltung einzusetzen. Indirekte Konsequenz kann sein, dass sie die erlebten Methoden der Bildungsarbeit in ihre eigenen pädagogischen Aktivitäten einfließen lassen können, was ihren kreativen Umgang mit ihrer Angebotsplanung verstärken wird.

Einbindung in die Arbeit vor Ort, Auswirkungen auf das lokale Umfeld:

Durch das Erleben und die Evaluation und Dokumentation der Begegnung wird die nachfolgende pädagogische Arbeit der Teilnehmenden in ihren zukünftigen Berufsfeldern beeinflusst und verändert. Sie können ihre  Erfahrungen in die Planung ihrer Angebote einbringen unter Berücksichtigung der Multikulturalität ihrer Zielgruppe. Eine Reflektion der jeweils eigenen Haltung gegenüber den Kindern mit Migrationshintergrund kann so weiter angeregt und mit realistischem Blickwinkel durchgeführt werden.

Lernprozesse:

Das interkulturelle Lernen wurde durch die gemeinsame Vorbereitung, Durchführung und Auswertung/ Dokumentation der Maßnahme explizit zum Thema gemacht. Methoden der nicht formalen Bildung ergaben sich aus dem Programm und waren gerichtet auf das persönliche Erleben, Lernen mit allen Sinnen, direkten Austausch und persönliche Beziehungen.
Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen jungen Menschen aus verschiedenen Ländern: Durch das Knüpfen persönlicher Beziehungen wurde die Grundlage für interkulturelles Lernen gelegt und ein gegenseitiges Verstehen ermöglicht.
Wir glauben, dass wir die hier formulierten Ziele des Projektes erreicht haben. Die Teilnehmenden haben uns während der Vorbereitung, des Aufenthaltes und in den Auswertungen auf vielfältige Weise gezeigt, dass sie mit den Zielen einverstanden sind, dass sie das Projekt als Bereicherung empfinden, in ihrer persönlichen Entwicklung gestärkt wurden und dass die Themen und Methoden ihren Interessen entsprachen.

Der Austausch, das Kennen lernen in der Türkei und die Wiederbegegnung in Deutschland bietet eine gute Grundlage für interkulturelles Lernen und Erleben. Die offensichtliche Sympathie, die lebendigen Beziehungen die in der Zeit des Zusammenseins aufgebaut wurden und der Respekt, den sich die Beteiligten gegenseitig erwiesen, ist ein Ausdruck positiven Bewusstseins der Teilnehmenden für verschiedene Kulturen. Auf der Basis persönlicher Beziehungen war es gut möglich, sich über die unterschiedlichen Einstellungen, Erfahrungen und Perspektiven auszutauschen, was zum Abbau von Vorurteilen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beiträgt. Es war schön zu erleben, wie interkulturell gelebt, diskutiert, getanzt und gelacht wurde – und sehr ernsthafte Gespräche und Diskussionen stattfanden. Dies entfaltet und bestätigt Toleranz und lässt Vielfalt positiv erleben.

Die sorgfältige Vorbereitung unter Beteiligung aller Teilnehmenden eröffnete den Raum für zwangslose Begegnung. Die Mischung aus formalen Inhalten und informellen Programmpunkten zusammen erlebte  Freizeit ermöglichte vielfältige gemeinsame Erfahrungen. Die Reflexions- und Auswertungsteile gaben den Rahmen für Orientierung/Einordnung des Erlebten – es gab Sicherheit im Neuem, Unerwarteten und Fremden. Der gleichberechtigte Umgang aller Beteiligten miteinander ließ jeder/jedem die Möglichkeit, sich zu äußern und auf vielfältige Weise in das Geschehen einzubringen.

Die diese Begegnung prägenden Themen wie Religion und Migration – hier insbesondere die Situation türkischstämmiger  Einwanderer in Deutschland sowie allgemein der Vergleich der Lebensbedingungen von (jungen) Menschen in der Türkei und in Deutschland gaben viel Anlass zu Gesprächen. Dabei waren die oben erfragten Aspekte auch Thema – es wurde deutlich, dass die direkte Erfahrung und beispielsweise die Begegnung mit deutschen Türken und der türkisch stämmigen Integrationsbeauftragten der Stadt Oldenburg einen engen Zusammen hang bilden können für das Aufwerfen und Beantworten von Fragen aller Beteiligten. Die Diskussion über die aktuellen politischen Ereignisse in der Türkei waren auch willkommener Anlass, das Thema Europa zu besprechen. Insgesamt wurde für uns deutlich, dass die jungen Teilnehmenden sehr offen über nationale Grenzen hinweg miteinander diskutieren und sich selbst als europäisch wahrnehmen.

Während des Besuchs der türkischen Gäste wurden täglich kurze Auswertungseinheiten durchgeführt. Themen waren dabei das durchgeführte Programm sowie die Gruppenatmosphäre. Der nächste Programmschritt wurde besprochen, evtl. Bedürfnisse der Teilnehmenden und die Wetterlage berücksichtigt. Die Planung der informellen Teile des Aufenthaltes wurde gemeinsam durchgeführt, um sicherzustellen, dass alle an den Platz kommen konnten, zu dem sie wollten und niemand allein blieb. Für alle Gruppenmitglieder gab es so Gelegenheit, sich zu äußern.

Neben den direkt Beteiligten haben verschiedene Menschen von dem Projekt profitiert: Wieder wurden Berichte über “youthreporter” veröffentlicht, die von den uns assoziierten Kindertagesstätten in Oldenburg und Freund/innen und Bekannten weltweit gelesen wurden. Die an den Treffen im Rahmen unseres Projektes beteiligten Menschen in Oldenburg gaben durchweg positive Rückmeldungen an uns weiter. Es wurde als sehr positiv gewertet, dass sich deutsch und türkische junge Leute treffen, Erfahrungen austauschen und so ernsthaft und respektvoll auftraten. Es gab wieder viele Gespräche über die Situation von Familien mit türkischem Hintergrund in Deutschland, über Veränderungen von Sichtweisen durch eigene Reisen u.a.m.  Es wurde deutlich, wie bereichernd ein solches Projekt z. B. für Gesprächspartner, für Mitarbeitende in Kindertagesstätten und die betreuten Kinder sein kann.

Wir haben im Vorfeld des Besuches unserer türkischen Gäste auf verschiedene Weise versucht,  unser Projekt zu veröffentlichen. Dazu haben wir Kontakt mit der regionalen und mit lokalen Zeitungen aufgenommen sowie dem lokalen Radio- und Fernsehsender. Es fanden diverse Telefonate mit Journalisten statt, wir stellten den Zeitungen Material und Fotos zur Verfügung und fragten wiederholt nach. Es kam jedoch keine Veröffentlichung zu Stande. Auch der Oldenburger Radio- und Fernsehsender zog wieder seine Zusage zurück.

Wir sind mit der Durchführung des Projektes sehr zufrieden. Wir bedanken uns für die Unterstützung durch JUGEND IN AKTION, besonders auch dafür, dass wir bei Fragen, die zwischendurch auftraten, immer schnelle Antworten bekamen! Diese Begleitung halten wir für sehr wichtig, besonders für Menschen, die wie wir das erste Mal eine solche Aktion planen und durchführen. Wir wünschen uns weitere Projekte durchzuführen – dies hängt jedoch zunächst von unseren eigenen Kapazitäten ab.

 

 

 

 

 
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